Vergaser stopfen für Spiritusbetrieb

Ich betreibe eine Petromax-Starklichtlampe im Spiritusbetrieb. Hierfür sind einige Veränderungen an der Technik der Lampe notwendig, damit das unterschliedliche Verdampfungsverhaltung des alkoholbasierenden Brennstoffes im Vergleich zum vorgesehenen Petroleum sich nicht nachteillig auswirkt. Eine notwendige Maßnahme ist das sogenannte Stopfen des Vergasers, um einem Pulsieren der Helligkeit entgegen zu wirken. Die Stopfung hat bis vor Kurzem auch gut gewirkt, aber seit neuestem zeigt die Lampe deutliche Tendenzen zum pulsieren. Ich entscheide mich also, den Vergaser neu zu stopfen.

Wer eine Petroleum Starklichtlampe wie die Petromax 829 betreibt, wird schnell Bekanntschaft mit Herrn Leidenfrost machen. Die Lampe pulsiert in ihrer Helligkeit. Ursache ist die Funktionsweise der Lampe, bei der der Brennstoff durch Hitze vergast wird. Ist die Hitze zu groß, wird nicht genug Energie in den Brennstoff übertragen und er verdampft sofort an der heißen Oberfläche und bildet ein isolierendes Dampfpolster. Man kennt das von kleinen Wassertropfen, die auf heißen Herdplatten tanzen. Gleiches passiert hier, der Brennstoff verdampft, bildet eine isolierende Dampfschicht, der Dampfdruck im Vergaser sinkt, die Menge an vergastem Brennstoff, der in den Brenner gelangt, sinkt – die Lampe wird dunkler. Kurz darauf entweicht der Druck durch die Düse, flüssiger Brennstoff verdampft erneut, der Druck und damit die Helligkeit steigt – der Vorgang beginnt von vorne.

Dem entgegenwirken kann man, indem man dafür sorgt dass die Hitze gleichmäßiger in den Brennstoff gelangt. Dies erreicht man durch die Vergrößerung der Oberfläche im Vergaser. Eine Maßnahme hierfür ist es, Messinggaze aufzurollen und in den Vergaser zu stopfen – für Petroleumbetrieb reicht das auch locker aus.
Ethanol, das schon bei wesentlich geringerer Temperatur verdampft, braucht eine sehr viel größere Oberfläche um die Hitze in den Brennstoff zu bekommen. Hier nimmt man, anstelle der Messinggaze, etwas ganz profanes wie Baumwolldocht. Am effektivsten für mich hat sich dabei Putzdocht der Bundeswehr erwiesen. Den Vergaser damit einmal gestopft erledigt sich das Pulsieren sofort.

Einziger Nachteil: der Docht verschleißt durch Verkokung relativ schnell und muss irgendwann ausgetauscht werden. Der verkokte Docht ist rechts auf dem obersten Foto zu sehen. Dies ist der Zustand nach mehreren Stunden Betrieb.
Also musste ich, da die Lampe zu Pulsieren begann, eine neue Stopfung anfertigen. Hierzu nahm ich sieben Dochte, klemmte sie in eine Schlaufe eines Drahtes und verdrillte das Paket um den Draht.
Unter drehenden Bewegungen lässt sich dieser Docht nun leicht in den Vergaser einführen. Der Draht hilft dabei beim Einführen und später auch wieder beim Entfernen – der verkokte Docht ist sehr fragil und zerreist bei Zug, der Draht wirkt dann als Zugdraht an der Spitze der Verkokung.


Auf dem letzten Bild sieht man nun, wie das neue Paket in den Vergaser eingeführt wurde. Ein wenig Docht steht unten noch heraus und muss in das Unterteil des Vergasers eingeführt werden.
Der erste Betrieb mit E85-Brennstoff brachte nach vorigem Pulsieren auch den erwarteten Erfolg: die Lampe leuchtet mit konstanter Helligkeit.

3 Gedanken zu „Vergaser stopfen für Spiritusbetrieb

  1. Pingback: Petromax 829 HK500 umrüsten auf Spiritusbetrieb

  2. Hallo, was ist mit der Nadelstange? Passt die bei einem gestopften Vergaser noch da durch?

  3. Wenn man den Vergaser mit Dochten stopft, ist kein Platz mehr für die Stange.
    Allerdings ist das für den Alkoholbetrieb ohnehin nicht nötig, da der Alkohol nahezu rückstandsfrei verbrennt.
    Gelegentlich muss man die Düse schon reinigen, aber lange nicht so oft wie mit Petroleum.

    Darüber hinaus hat die Nadel einen zu kleinen Durchmesser und reinigt die Düse nicht ausreichend – Handbetrieb ist also so oder so angesagt.

    Man kann den Vergaser auch mit einer Messing-Gaze stopfen, allerdings hat sich das bei mir als nicht ausreichend effektiv erwiesen.
    Aber experimentieren, was für einen am Besten passt, ist ja der halbe Spaß an diesem Hobby 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*