Öchslewaage als Bierspindel ablesen um Grad Plato ermitteln

Bier brauen ist in Deutschland bekanntlich auch für Privatpersonen legal. Jedermann kann sich die Zutaten beschaffen und sein eigenes Bier herstellen – allerdings nur unter der Vorraussetzung, dass der Staat seinen Anteil bekommt – in Form von Biersteuer. Die Biersteuer richtet sich nach dem Stammwürzegehalt, also dem Anteil der aus dem Malz und Hopfen im Wasser gelösten, nicht flüchtigen Stoffe vor der Gärung. Eigentlich besteuert wird der Alkohol (Würze selbst ist meines Wissens nach nicht steuerpflichtig, bitte korrigiert mich wenn ich falsch liege), der Anteil der Stammwürze läßt sich aber leichter ermitteln. Letztlich wird die Würze ja ca. zu einem Drittel zu Alkohol vergoren.

Meine Bierspindel

Meine Bierspindel

Der Stammwürzegehalt läßt sich leicht mit einer Dichtemessung messen. Die Dichte von reinem Wasser bei einer bestimmten Temperatur ist bekannt, man setzt also nun einen Schwimmer in die Würze der die Abweichung von der Standarddichte zeigt und umso weiter aus der Würze ragt, je dichter (also mehr gelöste Stoffe) die Flüssigkeit ist.

Für die Biersteuer ist der Zoll verantwortlich. Um meine Meldungen an den Zoll machen zu können, habe ich mir also eine Bierspindel beschafft, um den Stammwürzegehalt ermitteln zu können, dieser wird in Grad Plato angegeben.

Bierspindel bei 1040

Die Skala bei 1040kg/m³

Auf der Spindel waren nun drei Werte abzulesen; „g/l Zucker“, „vol. % Alk pot“ und ein dritter Wert, der aber nicht bemaßt ist, welcher sich bei meiner Bierspindel zwischen 1150 und 990 bewegt.

Wie sich nun herausstellt, handelt es sich hier um die Massendichte in kg/m³, und diese läßt sich, unter bestimmten Vorraussetzungen, leicht in Grad Plato umrechnen.

p=(d-b)/a

d ist die mit der Spindel gemessene Dichte, in kg/m³
b ist eine Konstante mit dem Wert 997 kg/m3
a ist eine Konstante mit dem Wert 4,13 kg/(m3 °P)

Die Grad Plato p sind also:
p=(d-997)/4,13

Mein letzter Sud, ein Export, hat in der Messung bei 20°C den Wert 1046 kg/m³ ergeben – umgerechnet ergibt das einen Stammwürzegehalt von 11,86°P. Laut Rezept sollten ca. 12°P erreicht werden, das Ziel wurde also erreicht 🙂

Zeigt Deine Spindel andere Werte? Stimmt was nicht? Kann ich helfen? Ich freue mich über Kommentare 🙂

Läuterbottich mit Panzerschlauch-Gewebe

Bei meinem ersten Sud habe ich die Maische aus der Würze noch mit einem Leinentuch herausgefiltert. Das hat funktioniert, war aber umständlich und ist fehleranfällig, zudem hält das Tuch nicht ewig. Als fortgeschrittenere Lösung als das Tuch gilt das Läuterblech, also ein dünnes Edelstahlblech, das Schlitze hat und auf den Boden des Läuterbottichs gelegt wird. Das Blech filtert offenbar sehr gut, ist aber recht kostenintensiv in der Anschaffung und muss auch zum Durchmesser des Läuterbottichs passen.
Im Hobbybrauer-Forum gibt es aber eine Menge Tüftler, die mit einfacheren Mitteln fast bessere Ergebisse erzielen. So dient als Filter bei vielen ein Panzerschlauch, mit dem unter einem Waschbecken den Wasserhahn an das Eckventil anschliesst. Hierbei handelt es sich um einen Plastikschlauch, der von einem Edelstahlgewebe umschlossen ist, um hohen Druck aushalten zu können. Wir sind hier aber nicht auf den Schlauch scharf, sondern auf das Gewebe – es kann alleine hervorragend als Filter dienen.

Ich habe mir also im lokalen Baumarkt einen Panzerschlauch besorgt und mit der Eisensäge die Enden abgeschnitten. Danach ließ sich der innliegende Schlauch ganz leicht entfernen. Aus diesem habe ich zwei kurze Stücke herausgeschnitten und an in die Enden in des Gewebes eingeführt. Die Übergänge habe ich mit Schrumpfschlauch aus dem Elektronikbedarf versiegelt, da das aufgeschnittene Gewebe gewisse Verletzungsrisiken birgt.
Ein Ende wird nun verstopft, das andere in den Ablasshahn des Eimers der als Läuterbottich dient gesteckt – fertig ist der kostengünstige und wiederverwertbare Läuterbottich, der selbst feinste Spelzen zurückhält und leicht gereinigt werden kann.

Zur Zeit gärt das letzte Jungbier noch aus, das Verfahren ist also noch nicht getestet – ich werde also berichten wie der Filter sich bewährt 🙂

Bierbrauen – mein erster Sud

Ich habe mich an etwas gewagt, was ich eigentlich schon seit zehn Jahren mal versuchen wollte – Bier brauen.
Ausschlag gegeben hat ein Beitrag des Chaos Radio Express Podcasts: Bier brauen. Nach dem Anhören dieser sehr hörenswerten Episode dieses Podcasts habe ich mich entschlossen, es selbst zu versuchen.
Man kann von einschlägigen Versandhändlern, die sich auf Hobbybrauer spezialisiert haben, Startersets zum Bierbrauen für kleines Geld liefern lassen.
Konkret war das hier ein Gäreimer mit Deckel, Ablasshahn und Gärröhrchen, ein Thermometer, zwei Leintücher zum Filtrieren, ein bisschen Kleinkram und die Rohstoffe, die man zum Bierbrauen braucht: das sprichwörtliche Hopfen und Malz, sowie natürlich Hefe.

Was ich noch zusätzlich besorgen musste, war ein Einmachtopf mit 25l Fassungsvermögen. Die Wärmequelle, die man für Flüssigskeitsmengen dieser Größenordnung benötigt, hatte ich schon: der Benzinvergaserbrenner BVB der schweizer Armee. Für den normalen Haushalt mit 17KW pro Brenner hoffnungslos überdimensioniert, bringt das gute Stück zum Erhitzen von Einmachtöpfen reichlich Leistung. Eigentlich sogar immer noch massivst zuviel, deswegen ist schon eine „Spardüse“ unterwegs. Hierzu aber mehr in einem anderen Blogeintrag 😉

Wie der Prozess des Bierbrauens nun genau abläuft will ich im Detail nicht erklären, das wurde in oben genanntem Podcast oder in einem Artikel in der Wikipedia: Bierbrauen besser beschrieben als ich es könnte.

Der Brauvorgang hat mich trotz Lektüre einiger HowTos und Bücher doch vor Überraschungen gestellt, manche unvorhergesehen, auf andere hätte ich auch selbst kommen zu können.
Damit zum Beispiel, dass die Maische bei den Eiweißrasten soviel Temperatur verliert, hatte ich nicht gerechnet, die Anleitungen sprechen alle von „Temperaturstabilität“. Es wird also spannend, ob die Temperaturen während der Rasten ausreichend waren.
Und darauf, dass der Treber (Malzrückstand) im Filtertuch kochend und ich jedem Fall zu heiß zum Anfassen ist, hätte ich mir denken können. Der Umstand, dass das Filtertuch mit dem kiloschweren Treber ruck-zuck im Topf landet, wenn man die Bindeschnur um den Eimer lockert, war im Nachhinein auch nicht überraschend 😛

Und die Uneinigkeit der Literatur, wann die Periode des Hopfenkochens von 90 Minuten tatsächlich beginnt, und wann man welchen Hopfen zugibt, war verwirrend.

Alles in allem ist nicht alles 100%ig gelaufen, aber nun ist der Sud im Gäreimer und die Hefe verarbeitet gerade im Moment den Zucker in Kohlendioxid und Alkohol.

Ich bin sehr gespannt, ob da trotz der Fehler gutes Bier rauskommt 🙂